Nachhaltige Geldanlage – Auf der Suche nach dem Sinn des Investierens

19/10/2021 - TORSTEN BECKER Aufstrebende MärkteBlack FridayCrowdinvestingCyber WeekElektrifizierungElektrifizierungsrateEntwicklungshilfeESGEU TaxonomieGhanaGreen FinanceGreen RecoveryGrüne InvestitionenGrüner StromImpact InvestingImpact InvestmentInfrastrukturKlimaschutzKlimawandelKreislaufwirtschaftMini-GridsNachhaltig investierenNachhaltige InvestmentsNachhaltiger KonsumNachhaltiges FinanzwesenNachhaltigkeitSchwellenländerSDGSolar-PVSolarenergieStromerzeugungSub-Saharan AfricaSustainable FinanceTranslight SolarÜberkonsum

„Es gibt mittlerweile verschiedene Wege, auch als Privatperson im Umwelt- und Sozialbereich, ja sogar in Entwicklungs- und Schwellenländern zu investieren. Doch auch die Herausforderungen sind vielschichtig. Wo fängt man an zu suchen? Welche Kriterien setzt man an? Wie kämpft man sich am besten durch den Angebotsdschungel? Und wem kann man überhaupt vertrauen?“

Was tun mit meinem Geld – und warum?

Vermutlich stellen sich viele Menschen in Deutschland schon seit einiger Zeit die gleichen Fragen: Bekomme ich in 20 oder 30 Jahren überhaupt noch eine Rente? Kann und will ich mir eine Immobilie leisten? Was passiert (nicht), wenn ich meine Ersparnisse einfach auf dem Girokonto belasse? Muss ich mir Sorgen machen wegen der gerade erst relativ stark angestiegenen Inflation? Und was gibt es überhaupt für Möglichkeiten, mein Geld anzulegen? Anleihen, Aktien, ETFs – wenn ja, welche? Letztlich benötigt es auch etwas Zeit und Muße, sich in diese Themen einzuarbeiten.

Nachhaltige Investitionen
Wo lege ich mein Geld am besten an in Zeiten von Inflation und (womöglich) unsicherer Rente? Eine Frage, die derzeit viele Menschen beschäftigt.

Zusätzlich denken immer mehr Menschen – zum Glück! – über Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit nach. Die Spendenbereitschaft ist groß – nicht nur im Rahmen der jüngsten Flutkatastrophe in Westdeutschland, sondern auch für eine Vielzahl anderer Projekte, die von großartigen Organisationen im In- und Ausland umgesetzt werden. Nichtsdestotrotz handelt es sich bei einer Spende um eine reine Ausgabe. Auch wenn das Geld sinnvoll eingesetzt wird, es kommt nicht mehr zurück. Wäre es da nicht praktisch, wenn man sein Geld in ähnlich tolle Projekte investieren könnte – also mit Rendite?

Von Gretchen zu Greta: Nachhaltige Investments

Es gibt mittlerweile verschiedene Wege, auch als Privatperson im Umwelt- und Sozialbereich, ja sogar in Entwicklungs- und Schwellenländern zu investieren. Doch auch die Herausforderungen sind vielschichtig. Wo fängt man an zu suchen? Welche Kriterien setzt man an? Wie kämpft man sich am besten durch den Angebotsdschungel? Und wem kann man überhaupt vertrauen? Der Griff zum Laptop scheint vielversprechend – doch kann ebenso ernüchternd sein. Anstatt der maßgeschneiderten Lösung findet man möglicherweise nur einen Haufen verwirrender Akronyme wie ESG und SDGs. Und dann immer wieder dieses „Impact Investing“. Aber was bedeutet das überhaupt alles – vor allem für einen selbst als Kleinanleger*in?

Nachhaltige Geldanlage - aber wie?
Geld grün investieren und dabei eine nachhaltige Wirkung erzielen…aber wie?

Impact – SRI – SDGs – ESG – WTF?

Es gibt keine wirklich gute deutsche Übersetzung für Impact Investing. Am ehesten passt wohl noch, mittels einer Investition eine „positive Wirkung“ zu erzielen. Grundlage hierfür sind nicht zuletzt die Sustainable Development Goals (SDGs), sprich die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Diese gehen zwar weit über Impact Investing hinaus, bzw. werden im entwicklungspolitischen Kontext auch häufig Subventionen und Zuschüsse als Investments bezeichnet. Sie geben aber einen guten Überblick darüber, in welchen Bereichen man eine „Wirkung“ erzielen kann, weswegen sie nicht zuletzt von vielen Entwicklungsbanken und Impact Fonds genutzt werden, um ihre Ziele zu definieren und zu kommunizieren. Prominente Beispiele, die auch durch „echte“, renditeorientierte Investitionen von Kleinanleger*innen gefördert werden können, sind SDG 7 (bezahlbare und saubere Energie) und SDG 8 (menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum).

Sustainable Development Goals
Impact Investing bedeutet Investition unter der Maßgabe der Sustainable Development Goals der UN.

Hiervon abzugrenzen ist der Begriff ESG, der für Environment, Social & Governance steht. Umwelt, Soziales und Unternehmensführung spielen seit einiger Zeit eine zunehmend starke Rolle in Öffentlichkeit, Gesetzgebung und Regulierung. Somit haben sich mittlerweile auch die allermeisten Großkonzerne, Banken und Fondsgesellschaften verpflichtet, sich stärker an ESG-Kriterien auszurichten und messen zu lassen.

Echte Wirkung oder doch bloß Greenwashing?

Leider ist dieses Bekenntnis nicht immer ganz freiwillig, bzw. ist es natürlich auch nicht so einfach, quasi über Nacht sein bewährtes und profitables Geschäftsmodell zu ändern. Kunden und Anlegern sei daher geraten, eine gesunde Skepsis walten zu lassen und durchaus auch mal ins Kleingedruckte zu gucken. Hat sich denn im Unternehmen (der Bank, dem Fonds, etc.) wirklich Grundlegendes geändert, oder wurde dem Ganzen lediglich ein neuer „grüner“ Anstrich verpasst? Nicht zuletzt in Deutschland gab es ja in der jüngeren Vergangenheit auch den einen oder anderen Skandal…

Echte Wirkung oder doch Greenwashing?
Auch das böse Wort „Greenwashing“ soll im Zusammenhang mit ESG schon gefallen sein.

Dem Interpretationsspielraum und der Kreativität mancher Marketingabteilung scheinen hier keine Grenzen gesetzt. So wird teilweise von ESG gesprochen – und als Erfolg verkauft – wenn ein über Jahre hinweg angerichteter Schaden begrenzt oder eine offensichtliche Fehlentwicklung rückgängig gemacht wird. Bei Banken und Fondsgesellschaften geht es da beispielsweise um „weniger fossile Brennstoffe im Portfolio“, bei Konsumgüterherstellern um „adäquate“ Arbeitsbedingungen im Produktionsland und bei Tech-Unternehmen um die „Frauenquote“ in Führungspositionen. Mit echter Nachhaltigkeit oder positiver Wirkung hat das oft wenig zu tun.

Mit dem Begriff Nachhaltigkeit wird natürlich genauso viel Schindluder getrieben. Dabei grenzt es fast schon an Verzweiflung, mit welchem Nachdruck einem die halbe Finanzindustrie klarmachen will, wie nachhaltig sie doch auf einmal aufgestellt ist und wie nachhaltig doch ihre Anlageprodukte sind. Was kann man davon eigentlich noch glauben?

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Wie man wirklich was bewegt!

Auch beim Impact Investing ist nicht alles Gold, was glänzt. Entsprechend sollten Anleger auch hier durchaus kritisch nachfragen, wie genau Wirkung definiert ist und wie es denn um nachhaltige Geschäftspraktiken steht. Zumindest tendenziell aber handelt es sich bei den Anbietern und Vermittlern solcher Anlageprodukte eher um Überzeugungstäter als, wie teils bei ESG, um „Opfer“ neuer gesetzlicher Vorgaben und regulatorischer Zwänge. Hinzu kommt: Impact ist messbar – wohingegen die Messbarkeit bzw. eine vernünftige Benchmark im ESG-Bereich oft nicht gegeben ist.

Impact Investing greift die wichtigen Themen (bzw. Missstände) in Entwicklungs- und Schwellenländern auf und stellt Kapital für entwicklungspolitische Ziele wie Armutsbekämpfung, Wirtschaftswachstum, saubere Energieversorgung oder nachhaltige Produktion zur Verfügung. Dabei sei betont, dass es sich nicht um Geldgeschenke handelt!

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Zwar spielen Regierungen und staatliche Entwicklungsbanken in verschiedenen Finanzierungsstrukturen noch eine tragende Rolle. Dies geschieht aber zunehmend zur Mobilisierung von privatem Kapital, bspw. durch das Stellen von Kreditgarantien. Letztlich können die Probleme der Welt nicht alleine aus den Staatskassen gelöst werden. Und es gibt auch in Afrika, Asien und Lateinamerika durchaus rentable Investitionsmöglichkeiten mit großer positiver Wirkung, die allein über private Gelder finanziert werden.

Die Renditeerwartungen sind sicherlich etwas moderater als am US-Aktienmarkt – bzw. steht außer Frage, dass in Schwellen- und Entwicklungsländern grundsätzlich auch eine Reihe anderer/zusätzlicher Risiken bestehen. Dieser Vergleich hinkt aber allein deswegen schon, weil Impact Investing eben weit mehr ist als eine rein finanzielle Risiko-Rendite Abwägung; es geht nicht zuletzt auch um die zusätzliche positive Wirkung auf Mensch und Umwelt. Hinzu kommt der Diversifizierungsgedanke – das eine Investment schließt das andere nicht aus.

Nachhaltig investieren – Worauf also noch warten?

Crowdinvesting ist nicht die einzige, aber vermutlich die einfachste Möglichkeit, sich als Kleinanleger*in an das Thema Impact Investing heranzutasten. Seriöse Plattformen stellen zu einzelnen Kampagnen genügend Informationen bereit, um sich ein umfassendes Bild zu Risiken und Wirkung machen zu können. Es gibt also keinen Grund zu warten – schon gar nicht darauf, ob und wann die Rente kommt. Selbst mit kleinen Beträgen kann man einiges bewegen!

Natürlich sollte man dabei nicht vergessen, dass Crowdinvesting alles andere als risikofrei ist und im Idealfall der Beimischung zu einem breit gestreuten Portfolio dienen sollte. Also doch noch mal ein genauerer Blick auf die ETFs? Auch ein Termin bei einem seriösen und vertrauenswürdigen Anlageberater kann nicht schaden. Und wer weiß, vielleicht wird’s ja letztlich doch das Eigenheim…

 

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